Geschichte des Hauses

 

Für den interessierten Leser zeigt dieser Teil unserer Webseite eine detaillierte Übersicht der Geschichte des Gutes zu Middestewehr und Ostfrieslands. Sie werden sehen wie traditionell verwurzelt unser Gut ist.

In gräflich ostfriesischer Zeit wurden die Ostriesen auf ihren Landtagen und Landschaftsversammlungen durch ihre drei Stände vertreten: durch Ritterschaft, Städte und Bauern. Die Ritterschaft bildeten die adligen Besitzer immatrikulierter Güter (d. h. diese waren sogenannte in die Ritterschatftsmatrikel eingetragene Güter). Dieser Stand konnte den Hofrichter, zwei Hofgerichtsassessoren, zwei Administratoren und zwei Ordinärdeputierten stellen. Nicht der soziale Rang, die Zugehörigkeit zum Adel allein, gab also das Recht, zur Ritterschaft zu gehören, sondern der damit verbundene Besitz gewisser berechtigter Güter.

 

Im Lauf der Jahrhunderte war der Adel in Ostfriesland immer bemüht, solche Anwesen für seine jüngeren Söhne zu erwerben. Die Güter unterschieden sich noch in zwei Arten : einfache Adelsgüter im Gegensatz zu den sogenannten „Herrlichkeiten" (z. B. Lütetsburg und Rysum ), die eigenen Rechtsanspruch ausüben und besondere Privilegien genossen. Zu den letzten gehörte Middelstewehr bei Eilsum ).

 

Im 15. Jahrhundert gehörte Middelstewehr den Cirksena. Unter Enno Cirksena fiel es etwa um 1430 an seine jüngste Tochter Okka. Drei Generationen später besaß es nach der Matrikel Claus von Werpe, Hofmeister Edzards des Großen, und zwar durch die Heirat mit Edzarda von Middelstewehr. Nach dem Tode dieses kinderlosen Paares fiel der Besitz an ihre Schwester Hilleda, die dem Inel Beninga von Upleward vermählt wurde, Nach Hilledas Ableben in Jahre 1533 erbte ihr Sohn Tido.

 

1537 starb auf Middelstewehr der Drost von Greetsiel, Dirk Duiren. Er entstammte einem auf Seeraub ausfahrenden Geschlecht, das Tengshausen im Jeverland ansässig war. Geheiratet hatte er Frouwa Manninga von Lütetsburg, die ihm als Hoffräulein in Esens bekanntgeworden war. In der Kirche zu Visquard begrub man ihn, der viele Schlachten mitgemacht hatte, in denen er ein Auge und ein Bein verlor. Der Chronist Beninga nennt ihn „ein stolt helt". Eigentlich hätte er als Bewohner von Middelstewehr in Eilsum bestattet werden müssen. Aber da Duirens Lütetsburger Schwiegermutter Hysa von Visquard war, wird man ihn dort und nicht zu Eilsum beigesetzt haben, wo früher alle Totenschilder von Middelstewehr hingen. Hysa besaß in Visquard ihr Familiengut, das erst jetzt in unserer Zeit von ihren Nachkommen, den Knyphausen, an den Pächter Schoneboom verkauft wurde.

 

Es ist selbstverständlich, daß zu diesem Gut auch Begräbnisstellen im Kirchenchor gehört haben. Im alten feuchten Chor zu Visquard liegen übrigens noch heute einige schwer zu entziffernde Steine. Bei einer vermutlich einmal notwendigen Kirchenrestauration sollte man sie sorgfältig untersuchen. Vielleicht findet sich dann dort auch noch das Grab des Duiren. Duiren scheint als Pächter die Burg Middelstewehr bewohnt zu haben. Die seiner Drostenstellung angemessen war.

 

1582 verkaufte der oben erwähnte Eigentümer Tido Beninga von Upleward das 200 Grasen große Anwesen Middelstewehr (2,35 Grasen = 1 Hektar ) an seine entfernte Verwandte Bindelef Knyphausen, die verheiratet war mit Eberhard von Diepenbrook. Bindelef war die Schwester Wilhelms von Knyphausen, der mit seiner Einheirat bei der letzten Manninga von Lütetsburg die dortige Linie begründete. Diepenbrook war kein Ostfriese, er kam vom niederrheinischen Empel bei Kleve. Das Paar wurde zu Stammeltern der seitdem hier lebenden Diepenbrook, die außer auf Middelstewehr auch in Butforde und Loppersum ansässig wurden.

 

1599 wird das Gut als Bindelef Knyphausens Besitz in der Matrikel genannt, 1620 für ihren Sohn Arnold-Tido (1591 - 1648), der Almed Beninga geheiratet hatte, Er war Landschaftlicher Administrator, führte also solch ein Amt, das (wie anfangs angeführt) der Besitzer eines adeligen Gutes bekleiden konnte. Auf Arnold-Tido folgte sie Sohn Eger (+ 1679), der wieder eine Knyphausen zur Frau nahm: Hyma-Adelheid. Über die Familienverhältnisse dieser Hausfrau von Middelstewehr ist uns einiges bekannt. Ihre früh verwitwete Mutter Okka-Johanna, geborene Ripperda, war eine zweite Ehe eingegangen mit dem Grafen Stenbochk auf Bogesund und lebte seither mit diesem in Schweden. Sie hatte ihre Kinder in Ostfriesland zurückgelassen, die sie nie wiedersehen sollte. Sie wurden von Verwandten betreut. Tochter Hyma-Adelheid führte ihrem Onkel auf der Burg Tidofeld bei Norden den Haushalt, bis dieses feste Haus in einer Familienfehde zerstört wurde. Später heiratete sie nach Middelstewehr, während ihre Mutter inzwischen zur Oberhofmeisterin der Königin von Schweden avancierte, 1688 starb Mutter Okka, und dann sah man eine Fregatte über die Meere segeln, zurück von Stockhilm nach Greetsiel, mit dem Sarg der toten Oberhofmeisterin an Bord, Die Ostfriesin wurde in der Familiengruft in Jennelt beigesetzt.

 

Okkas Enkel, HymaAdelheids Sohn, hieß Tido-Eger von Diepenbrook (1679 - 1720). Er war Hofrichter und heiratete 1710 die 21jährige Ajolda. Tochter des Emder Drosten Folkert Polmann, Vier Jahre später bereits starb sie und ließ eine Tochter mit Namen Elisabeth zurück.- Dieses Ehepaar hat wohl das noch heute so auffallende Wappen anfertigen lassen, in dem als Embleme die Diepenbrookschen Schwerter und das schachbrettartig gemusterte „T" der Polmanns zu sehen ist. Folkert Polmann hatte wegen Zwistigkeiten mit dem regierenden Fürstenhaus sein Drostenamt in Emden niedergelegt und sich in Holland das Gut Godlinse gekauft. Diese Beziehungen zum Groningerland mögen dazu beigetragen haben, daß die nachfolgenden Besitzer von Middelstewehr nur noch Ehen mit Niederländern eingegangen sind.

 

Elisabeth von Diepenbrool heiratete Edzard Tjarda von Starckenborg, gestorben 1770. Er übte den Beruf eines Hofrichters aus, wie sein Schwiegervater es einst tat. Sein Name und sein Wappen finden sich noch heuter an der Kanzel zu Eilsum. Auch seine junge Frau starb nach dreijäriger Ehe und hinterließ wieder eine kleine Tochter. Diese Anna Habbina von Starckenborg, geboren 1730, wurde als Erbin des Gutes die Frau des Witwers Onno Daniel de Herthoge, Besitzer von Rikkerda und Ferringa, westlich von Groningen, Anna Habbina wohnte auf Rikkerda, und als sie 1799 starb, vererbte sie mit ihrem Besitz auch Middelstewehr ihrem „drancksüchtigen" Sohn, Edzard Unico de Herthoge, von dem ein Holländer schrieb: „he makte het zu bont", daß seine Frau sich von ihm trennte, Man stellte ihn unter Kuratel und er starb kinderlos. Sein Vermögen kam auf seine Nichte, die mit Herrn Alberda auf Menkema verheiratet war.

 

Für das Jahr 1847 sind die Alberda als Herren von Middelstewehr in die Hofliste eingetragen, Dann entschied sich diese Familie, den ostfriesischen Besitz zu veräußern. Es erschien eine öffentliche Anzeige, die besagte, daß die Eigentümer des adeligen Landgutes teilungshalber verkaufen wollten

1. das große Schatthaus mit dem danebenstehenden kleinen Schatthaus, 146 Grasen groß, Jagd- und Kirchengerechtigkeit, alles adelig;

2. eine Behausung mit drei Gärten und 119 Grasen Land, bewohnt von der Witwe Mauritz;

3. eine Behausung mit 118 Grasen, bewohnt von A. Hagen;

4. 108 Morgen Stückland;

5. die Burgstelle mit dem Burggarten, dem sogenannten „Nieuwerk" und Zingel; zwei Häuser mit Gärten.

 

1859 wird neuer Besitzer der Herzog von Arenberg-Meppen, Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war die Familie Arenberg für die Hergabe von Gütern in der Eifel entschädigt worden mit der Herrschaft Meppen, dessen Zentrum Schloß Clemenswerth bei Sögel sein sollte, Dieses für Norddeutschland einmalige Schlößchen, das oft von Ostfriesen besucht wird, hatte der von Bau- und Jagdleidenschaft besessene Fürstbischof Clemens-August von Cöln 1717 in den einsamen Wäldern des Hümmeling errichten lassen. Bis 1968 blieb die jetzt in Belgien lebende, sehr wohlhabende Familie von Arenberg (29000 Hektar Landbesitz) Eigentümerin von Clemenswerth, dann erst verkaufte sie es an die Gemeinde Sögel, die die vier Höfe mit 280 Hektar Land übernahm. 100 Hekar guter Ackerboden wurde weiterverkauft an die Siedler von Leybucht- und Schoonorther Sommerpolder zur Aufstockungihrer Landstellen. Aus den übrigen 180 Hektar entstanden vier Grünlandbetriebe auf alter Marsch. Für zwei neue Hofgebäude, die man im freien Gelände errichtete, verkaufte man zwei alte: das am Tief gelegene erste erwarb ohne Land die Schafzüchterin Tinter.

 

Das schöne Gut mit dem Wappen ( das „Nieuwerk", siehe das obige Wappen auf dieser Seite und der Homepage), errichtete zwischen 1825/47, wurde mit drei Hektar Land von zwei Herren aus Bochum übernommen. Die Scheune diente schon seit langem als Reithalle. 1983 erwarben Heinz und Hilde de Vries das schöne Gut mit dem Wappen. In Middelstewehr stand noch um 1825 eine kleine Burg. Sie lag hinter dem wappengeschmückten Hof. An Vertiefungen lassen sie bis heute die alten Gräben erkennen; auch Süuren von Wall und Zingel sind noch zu sehen. In der „Acht und ihren 7 Siele", Herausgeber Jannes Ohling, Seite 117, ist eine Karte abgebildet, auf der Befestigungsanlagen bei Greetsiel und Middelstewehr zu sehen sind, die Graf Mansfeld zu Ende des 30jährigen Krieges dort errichten ließ. Auf diesem Stich ist auch die Burg Middelstewehr eingezeichnet, Sonst ist bislang kein überliefertes Bild bekannt geworden. Burg und Schatthaus bildeten anfangs einen zusammenhängenden privaten Komplex. Der Hauptweg führte früher im Osten um die Anlage herum. Die jetzige Straße ist neueren Datums.

 

Wie man sah, lebten die Grundherren von Middelstewehr oft genug auswärts. Nur einmal im vorigen Jahhundert kam der Herzog nach Middelstewehr, um sein Eigentum zu betrachten, Ein alter Mann erinnerte sich noch vor kurzem daran: An jenem Tage wehte die von Arenbergsche Fahne über der alten Warfsiedlung, Aus den 200 Grasen des ursprünglichen Häuptlingssitzes waren im Lauf der Jahrhunderte bis 1976 280 Hektar geworden. Die Herzoglichen Pächter betrieben dort auf großen Höfen eine exzellente Pferde- und Rinderviehzucht, die international bekannt war. Heute ist das „Nieuwerk" mit seinem Wappen ein gastlichler Gulfhof der seine Gäste in komfortablen Ferienwohnungen herzlich wilkommen heißt.